Building News

Als ich mich im Laufe des Tage so durch die eingegangene Post geackert hatte, stieß ich auf die neueste Ausgabe unserer Firmenzeitung, welche ich immer noch für die farbigste, nutzloseste Form der Selbsbeweihräucherung halte. Was interessiert es mich, dass die Filiale in Hong Kong wieder einmal als Innovationsschmiede des Konzers gekürt wurde, wenn ich mich laufend mit Dummbeuteln und Schminkschwuchteln 'rumärgern muss. Aber hier, was ist denn das? Nachdem ich den Artikel mehrmals gelesen hatte, er war in „denglish“ geschrieben, nahm ich mir einen Marker und hob die nicht deutschen Ausdrücke hervor. Es kamen da so Sachen zum Vorschein wie: Corporate Design, Chief Human Ressources Officer, Geschäfts Synergien, Energieeffizienz und Kreativität des Legos. Den Vogel aber schoß der Ausdruck „inkrementes Routinedenken“ ab!   HÄÄÄÄ ???

Doch der „Verzapfer“ dieses Artikels hatte nicht mit mir gerechnet!
So verdummbeuteln könnt ihr andere, nicht mich!

Also erging folgende Message an die Redaktion:

 

Liebe Kollegen der „Building News“,

in grauer Vorzeit, so vor 20.000 Jahren, beschlossen an einem Dienstag Nachmittag gegen 13:35 Uhr die Neandertaler, die Sprache einzuführen.

Dieses Vorhaben erleichterte das Zusammenleben ungemein. Je nach Aufgabenstellung wurden neue Worte dem schon vorhandenen Vokabular hinzu gefügt, es wurde verfeinert und differenziert, um sich so genau wie möglich auszudrücken und verstanden zu werden.

Ein paar tausend Jahre später, so die Heilige Schrift, geschah es jedoch, so gegen ca. 17 Uhr, kurz vor den Nachrichten, dass die Menschheit übermütig wurde, der Größenwahn stellte sich ein und man beschloss, es dem HERRN gleichzutun und wahrlich Gigantisches zu erschaffen. Man dachte da an einen Turm, der in der Welt einzigartig sein sollte.

Da dies' dem HERRN aber nicht gefiel, wer hat schon gerne Konkurrenz, verwirrte ER ihre Sprache, auf dass sie sich nun nicht mehr verständlich machen konnten und das Bauwerk der verdienten Vergessenheit anheim fiel.

Die Menschheit hatte bös' daran zu knabbern, aber, pfiffig wie sie nun mal war, erlernte sie im Laufe weiterer Jahrtausender nach und nach die fremden Idiome.

Doch nun zur Gegenwart:

eine kleine Firma, wir wollen sie XYZ nennen, gelangte, zum Teil durch ihre Produkte, zum Teil durch Ellenbogentaktik, Tricks o.ä., zu Weltruhm. Das reichte den Herrschern jedoch nicht und man beschloß in einer Aufsichtsratsitzung, wahrhaft Grosses zu erschaffen!

Da verdunkelte sich der Himmel, der DAX fiel in den Keller und eine Stimme erhob sich und sprach: „Was denn, ihr schon wieder? - Habt ihr denn nichts gelernt? - Na denn, das Ganze noch mal von vorn, in 3D und in Farbe!“

Und wieder verwirrte ER ihre Sprache, nahm ihr den Sinn.

Ein kleiner Angestellter, wollen wir ihn „Günther B. Aus H.“ nennen, studierte eines Tages im Büro die hauseigene Zeitung. HÄ??? - WIE ??? - WAS IS??? waren noch die friedlichsten Reaktionen auf den Inhalt dieser Zeitungsausgabe!

 

Was können wir nun aus der Geschichte lernen (so wir denn wollten!):

die Belegschaft bei XYZ setzt sich nun leider nicht nur aus Professoren, Doktoranden und Pastoren zusammen! Entweder, man übermittelt seine Gedanken so, dass sie vom Anderen verstanden werden können, oder man kann sich das Papier sparen, auf welchem sie gedruckt werden, der Regenwald von Guatemala dankt es einem. Wer hat denn hier schon das “kleine Latrinum”?

Die Neandertaler führten eine allen verständliche Sprache ein, gerade um verstanden zu werden. Wie soll ich den Worten meines Herrn folgen, so ich die Worte nicht verstehe, der Sinn mir verborgen bleibt?

Mit kollegialem Gruße ...usw.

 

Selbstverständlich kam dieses Schreiben nach dem Faxen mit der Vorlage und den markierten Stellen an's Schwarze Brett, das Gelächter war tagelang zu hören.

Apropos: Schwarzes Brett. Eine ungeahnte Möglichkeit, sich über Schminkschwuchteln und neurotische Krawattenträger auszulassen! So kann man, das Brett im Blickwinkel, die gar mannigfaltigen Reaktionen auf den Aushang des Betriebselektrikers beobachten mit dem Text:

„Werte Kollegen, wegen allgemeiner Einsparungsmaßnahmen bleibt das Licht am Ende des Tunnels bis auf Weiteres aus!“.

Man nehme einen existierenden Briefkopf, ändere ihn an den entscheidenen Stellen aber nur ganz vorsichtig, tausche Namen und Abteilungen durch Fiktiva aus und schon hat man die Lacher auf seiner Seite, so wie beim nächsten Werk...