Im Lift

Auch in Fahrstühlen kann man Krawatties & Schminkschwuchteln öfters als sonst wo sehen, z.B. zur Mittagszeit in Bürohäusern. Du kannst wetten: du stehst im Parterre am Lift an und um dich herum ... Krawattenträger und Schminkschwuchteln, ein Geruch, der einen Landluft herbeisehnen lässt.

Du musst in die vorletzte Etage, zu Fuss ... nach dem Saufgelage gestern wohl 'n bisschen viel für die Pumpe. Die Anderen sehen aber eigentlich ganz fit aus, na ja, bei den Mädels .. ich weiß nicht so recht. BING - er ist da, also alles rein. Ein Blick auf's Typenschild:8 Personen.

Aber da kommt noch 'ne Madam, der bestimmt verboten wurde, beim Seismologischen Institut vorbei zu gehen. Jedesmal schlägt dann dort die Nadel bis 5,8 auf der, nach oben offenen, Henkerskala aus. Wenn die vom Schrank hüpft passt Du anschließend unter'n Kleiderschrank. Dabei sollte die von berufswegen nur Treppen laufen müssen. Geht aber nicht, die zarten Füßchen (Füßchen - HA! 'n Elefant würde sich schämen! Sowas kannste nur zum Weinstampfen nehmen, aber nur bei verstärktem Fassboden!) würden anschwellen und dann würde ja das Fußkettchen reißen! Dabei passt um den Knöchel `n Ankertau. Wetten, die will nur eine Etage höher?! Und nun, mit Anlauf - hinein.

Das Mädel vor dir wird mit brachialer Gewalt gegen dich gedrückt, geistesgegenwärtig hast du dich ihr frontal zugewand, um sie nicht auf deine Tasche knallen zu lassen. Mit einem hilflosen Grinsen und einem entsagenden Blick entschuldigst du dich bei ihr: ich kann ja auch nicht ausweichen, hinter mir ist die Wand. Nach einem verständnisvollem Blick von ihr (netter Käfer!) schweifen eure Blicke durch die Gegend, bloß jetzt keinen Blickkontakt, schade.

Langsam wird es ungemütlich in der Rappelkiste, es stinkt nach allem anderen, nur nicht nach Mensch. Wozu Paral, das hier hielte kein Insekt längere Zeit aus. Langsam beginnt der Blick zu verschwimmen, die Tränendrüsen nehmen ihre Arbeit auf. „Kann man hier mal 'n Fenster aufmachen?“ Schallendes Unverständnis aus allen Gesichtern, niemand versteht dich. Wenn Notwehr erlaubt wäre, könntest du dir 'ne Zigarette anstecken, aber beim ersten Funken würde der Lift nach kurzer Zeit in eine orbitale Umlaufbahn einschwenken.

Die Kabine rüttelt und ächzt in allen Fugen, mühsam quält sie sich nach oben mit dieser Überlast. Das wäre doch der richtige HardCore-Lehrgang für Leute mit Klaustrophobie, oder.

Durch das Ruckeln und Schütteln reiben die Körper aneinander, mehr, als am frühen Morgen gut wäre. Mensch, was mach ich nur? Ob sie's merkt? Position würde haargenau passen... Nur nicht hinsehen! Es reicht so schon, was du da durch dein Hemd spürst. Wie kriegst du die Hände nach oben zum Dekolltè? Oder, wie ..

Wie war doch gleich die dritte Wurzel aus 99? Wann überschritt Cäsar den Rubikon? - Zum Kampf der Wagen und Gesänge, der auf Korinthes Landesenge, der Griechen Stämme froh... Stämme!!! Ob sie's merkt, wie deine Hose eng wird??? Jetzt drückt sie auch noch stärker!!! Mensch lass das, oder sollen wir gleich hier.. ?

BUMMS! Die Kabine sitzt fest - PANIK !!! Du kannst die Angst förmlich riechen und deine Ohren hallen vom Herzschlag, oder ist es ihrer, wie 'n Trommlerchor. Außerdem .. riecht es hier nicht angebrannt, Kabelbrand, verschmortes Plastik? Brennt jetzt auch noch die Butze? Aber latürnich, die fette Olle mit ihrem körperlichem Übergewicht plus 2 Kilo Farbe inne Visage! Die Überlastsicherung ist 'rausgeflogen, das isses! Was machst du nun?

Die Kleine vor dir sieht dich erschreckt an, wie ein Kaninchen sieht sie dich an. Doch nach ein paar Sekunden, als sie merkt, die Kabine sitzt sicher fest, wechselt der Blick zum Erstaunen. Wie, merkt sie das jetzt erst? Oh Gott, was mach ich nur? Du wirst rot und kannst nichts dagegen tun! Ein Blick zu ihr: langsam fängt sie an zu grinsen, wie in Zeitlupe, und langsam öffnen sich ihre Lippen und zeigen strahlend weiße Zähne. Deine Birne könnte jetzt gut als Leuchtfeuer verwendet werden. Du glühst und möchtest dich verkriechen, aber wohin??? Du sitzt in dieser Konservendose fest, kannst dich nicht rühren, no chance to escape, Buddy!

Ihre Augen huschen, ohne den Kopf zu bewegen, von Seite zu Seite: noch hat's keiner gemerkt. Gaaanz laaangsam drückt sie das Becken noch 'n bisschen mehr nach vorn, so, als um den anderen etwas mehr Platz zu verschaffen, rückt sich ein wenig zurecht und sieht dich dabei aus gesenkten Lidern schelmisch grinsend an. Was nun? Hier? Nee ne?!

Da, lautes Türgebummere! Draussen hat jemand gemerkt, was los ist. Irgend wer ruft 'was, aber bei der Panik hier drin ist nichts zu verstehen. Ein schmaler Hebel bahnt sich, windend und kratzend,  seinen Weg durch den Türspalt und millimeterweise wird sie aufgeschoben. Na Klasse, ihr sitzt zwischen 2 Etagen fest. Nach unten .. geht nicht, zu eng für die Dicke. Nach oben, oh Gott, wer hebt die denn hoch? Meine Bandscheibe, nee, lasst mich hintern Baum! Nur gut, dass die ganz vorn steht, da kannste sowieso nicht helfen!

Den Draussenstehenden wird beim Anblick von „Madam“ ganz schwummerig. Von Glück kann reden, bei wem jetzt, und nur jetzt, das Telefon klingelt. Einer nach der anderen wird aus der Kabine gehievt, von oben gezogen und von unten geschoben. Langsam kriegst du wieder Luft, der Avongestank wird schwächer und schwächer.

Du, als Held, gehst natürlich als Letzter, is ja klar. Da fällt dir auf, das du ja dann die Kleine, die vor dir steht, hoch heben musst. Na warte Mädel, mal seh'n, wie knackig du sonst noch bist! Als sie dran ist, dreht sie dir ihre Kehrseite zu - auch nicht schlecht - und hebt die Arme.

„Jetzt oder nie!“, schiesst es dir beim Blick auf ihr Dekoltè durch's Hirn, aber du bückst dich dann doch (Scheiß Kinderstube) und greifst beherzt ihre Oberschenkel anstatt..., so als tätest du den lieben langen Tag nichts anderes. Und weil der Griff um die Oberschenkel - ziemlich weit oben - noch nicht ganz reicht, du bist ja nicht blöd und hebst sie gleich ganz hoch, lässt du mit einer Hand los, murmelst etwas von wegen: „nix bei denken, geht nich' anders!“ und greifst ihr fest und bestimmt an den Hintern (JOU!) und mit einem kräftigen Schwung, aber schön langsam,“ Ey da oben, nicht so reissen!“ ist sie draussen.

So, mit einem Kick deine Tasche durch den unteren Spalt und ... durch den unteren Spalt in's Freie oder besser: auf den Flur. Ätsch, nu kannste warten, da oben. Aber wehe, du hättest das bei ihr gemacht, das in der Enge, alle fünfe hättest du jetzt auf der Backe. Sei mal gespannt, wann du sie wieder im Lift triffst, vielleicht allein..?