Wozu gibt es eigentlich Schutzimpfungen?

Bei der alltäglichen Müh und Plag gibt es doch, zumindest hin und wieder, Situationen, die mich mit meiner Umwelt versöhnen: den Katastrophen-Tourismus.

Es ist doch immer wieder erheiternd, höchstdotierte Fachleute, alles Krawattenträger, vor einem Rechner stehen und fassungslos den Kopf schütteln zu sehen.

Da hat man sich nun alle erdenkliche Mühe gegeben, hat unter unsäglichen Qualen im Rahmen eines Brainstormings alle möglichen Varianten eines Anwenderszenarios durchgespielt und die raue Wirklichkeit hält sich einfach nicht an die Spielregeln! Da haben wir nun jahrelang studiert, glauben , die Informationswelt zu kennen, und nun kommt die ach so böse Realität und spielt nicht mit! „Ja also, wenn der Fehler am fehlenden Zugriff des Gruppenlaufwerks .., aber das kann es natürlich nicht sein, schon eher an der falschen Protokollierung am Server, obwohl ich denen doch gesagt habe sie müssten nur..., aber wie kommt dann das Layout auf den Schirm und wieso läuft es, wenn der Rechner gar nicht an...“ So oder ähnliches kann man dann vernehmen und, man ist ja schlau, man liefert auch gleich das Argument, warum der Kollege (der war auch schon lange nicht mehr auf Dienstreise und außerdem bin ich dem noch `n Gefallen schuldig) morgen auch noch aus dem Stammhaus anreisen muss (ist ja auch sein Programm!).

Früher, als alles noch mechanisch war, das Bier noch süffig und die Madln noch sittsam, ja da hätte man den Hut gelupft und sich am Kopf gekratzt. Heute aber wird der Krawattenknoten „etwas“ gelockert, der Laptop aus dem Alukoffer (überzogen mit echtem Lederimitat von „CK“) gezerrt und, nach einem Blick auf die BattPower-Anzeige, wühlt man sich durch Datenbanken, Modulbeschreibungen und Flussdiagramme und findet schließlich den Fehler: die Stadtwerke liefern nicht den richtigen Strom – die Frequenz müsste bei 60Hz liegen. So kommt dann raus, das der „Entwickler“ des Monsters das Ding einfach aus den USA abgekupfert hat und leider, leider haben die da einen „etwas“ anderen Strom!

Ein ebenso erbaulicher Anblick ist der Moment, wo sich ein Virus durch die ach so dichte FireWall hindurcharbeiten kann: maßloses Erstaunen ob der Impertinenz dieses kleinen Programms, gefolgt von panischem Entsetzen und schlagartig einsetzender, planloser Hektik. Als die Titanic den Eisberg gerammt hatte und eine „wasserdichte“ Abteilung nach der anderen schön langsam voll lief, war man ja der Überzeugung, dass das nächste Schott die Flut stoppen würde. Schließlich, so die Erbauer, sei das Schiff ja unsinkbar! Konnte man denn auch ahnen, dass Captain Smith den Kahn wie mit einem Büchsenöffner über die Hälfte der Länge aufschlitzen würde? Und unsere Firewall sei die Beste, 7 Meter dick, aus V4A-Stahl, undurchdringlich für jeden, der es wagen wolle, frevelhaft und vorsätzlich hindurch zu gelangen. Hindurch .. mag sein, doch wie sieht’s aus mit ... oben drüber??? Die Kommunikation, die dann einsetzt, erinnert ein wenig nach OP: da ist dann von einem viruellen Infektion die Rede, das infizierte Gebiet müsse gesäubert werden, Programmteile implantiert und andere, externe Teile amputiert werden...

 

WO SIND WIR DENN HIER ???

 

So, nach und nach füllt sich das Büro und bei dem einsetzenden Geschnatter wird konzentriertes Arbeiten immer schwerer. Dazu kommt noch das Telefon mit Kunden, die immer noch glauben: der Kunde ist König! Kann schon sein, jedoch leben wir in einer Republik und nicht in einer Monarchie!

Ey, schau mal, wer da kommt? 'ne neue Kollegin! Mann, das ist was für's Auge, und nicht nur dafür! Die könnte glatt bei mir im Bett Kekse krümeln, würde mich nicht stören. Weil, wennste oben drauf liegst, hat sie die Krümel im Rücken! Warum sitzt mir so 'was nicht ständig gegenüber? Aber, beruhige dich, dafür haste nicht die richtige Gehaltsklasse! Und schon beginnen die Gedanken zu wandern...